Die Würde des Menschen (mit Behinderung) ist unantastbar?

Meine Freundin Leni!

Vor einiger Zeit war ich mit einer Gruppe von Menschen mit Behinderungen in einem Kino in der Nähe. Der Besuch dort brachte mich dazu, diesen Bericht zu schreiben, da ich sehr erschüttert über die Reaktion eines Mitarbeiters des Kinopersonals war. Wir kamen herein und wurden empfangen mit abwertenden Blicken. Ich gebe Jedem das Recht, verwundert zu gucken, denn für manche Menschen ist die Begegnung mit behinderten Menschen neu. Aber die Blicke, die man uns zuwarf, waren gefüllt mit Ekel. Wir hielten uns noch eine Weile im Vorraum des Kinos auf, da wir noch Zeit hatten, bis der Film begann. Einige der Bewohner hatten noch das Bedürfnis, sich an der Bar ein wenig Weingummi zu kaufen. Da eine Theke geschlossen war, wollte sich ein Bewohner eine Tüte Gummibärchen nehmen und sie an der anderen Kasse bezahlen. Besagter Mitarbeiter reagierte hysterisch, zeigte mit dem Finger auf ihn und schrie durch den Vorraum :“Der klaut!“ und rannte schnell in seine Richtung. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass wir wie Menschen 2. Klasse behandelt werden. Der Kinomitarbeiter ist eigentlich mit mir befreundet, aber diese Situation lässt mich doch stark zweifeln! Vor Allem, da ich nicht wie immer herzlich begrüßt wurde, sondern ebenfalls halb ignoriert wurde.
Ich selber mache zur Zeit eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und arbeite nebenbei in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Es ist mir nicht neu, dass die Öffentlichkeit etwas distanziert reagiert. Ich gebe jedem Menschen einen „Schock-Moment“, aber abwertende, sogar ekelerfüllte Blicke kann ich nicht verstehen.
Ich begleite oft meine Freundin , die im Rollstuhl sitzt, in unserer gemeinsamen Freizeit. Auf Konzerten, bei Bahnfahrten und in Hotels haben wir noch nie diese erniedrigenden Blicke zu spüren bekommen. Es schmerzt mich darum um so mehr, dass ich so etwas ausgerechnet in meiner Heimatstadt erleben musste.
Zum Abschluss möchte ich noch einen Artikel aus dem GG erwähnen.
Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Bürgerreporter:in:

Stefanie Patzal aus Garbsen

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11 Kommentare

Bürgerreporter:in
Wolfgang Amadeus Austrianer aus Langenhagen
am 19.12.2008 um 01:50

Hallo Stefanie, ... in der Situation könnte ich zum Löwen werden und ich gebe es leider auch zu, ich werde dann immer verbal agressiv. Das hat zur Folge, dass ich versuche mein Gegenüber nach allen Regeln der Kunst abzufrühstücken. Früher habe ich mir einen Deckel auf den Adrenalinschub gestülpt und mich so schnell wie möglich wieder runter geholt. Aber heute meine ich, diese, über nichts im Leben nachdenkenden Volltrottel haben es nicht anders verdient. Knallhart nach dem Geschäftsführer/ Vorgesetzten verlangen und wenn das nicht fruchtet die örtliche Presse einschalten. Auch myheimat ist gut für eine Reaktion in der Öffentlichkeit. Man muß dann allerdings auch Ross und Reiter nennen. Mfg. austrianer

Bürgerreporter:in
Wolfgang Amadeus Austrianer aus Langenhagen
am 19.12.2008 um 01:58

Hallo Stefanie, hab ich noch vergessen mitzuteilen. Ich hatte auch schon einmal das Problem mit einem Rolli-Fahrer, dem ich helfen wollte. Der wies mich aber ganz schroff ab und meinte, mich von oben bis unten abschätzend: "Ich brauch keine Hilfe vom alten Sack!" Damals war ich sehr erschüttert. Mit gewonnenem Abstand sage ich mir: "Warum soll der Mensch im Rolli nicht auch mal einen schlechten Tag gehabt haben!" Ob behindert oder nicht. Wer Hilfe braucht, dem kann man seine persönliche Hilfe auch immer anbieten. Aufdrängen ist vielleicht nicht so gut: "Darf ich Ihnen helfen?" Gruß austrianer

Bürgerreporter:in
Heinrich Windhorn aus Seelze
am 31.12.2008 um 13:56

Hallo Stefanie, eine Körperbehinderung ist zu sehen, eine geistige Behinderung nicht ... das habe ich mir immer vorgestellt. Da ging es mir gut. Ich habe dann sogar einen freundlichen Blick über gehabt. Ich mußte auch 3 Jahre im Rollstuhl verbringen. Alle die von dir beschriebenen Erlebnisse habe ich auch erlebt. Einige meiner Negativ-High-Light's: Ein Stadtfest, auf den Straßen war es war sehr voll, ein Kommentar eines Mitbesuchers: können diese Typen nicht zu Haus bleiben, ist doch auch so schon voll hier. Oder Gespräche mit Nicht-Rollstuhlfahrern. Die haben zwangsläufig beim Gespräch auf mich herab gesehen. Ich hatte dabei immer ein Minderwertigkeitsgefühl. "Ich bin behindert, ja und ! " dieser Spruch ist jeden Tag schwere Arbeit, aber er hilft mir seit 25 Jahren. Alles Gute für dich