Des Herbstes Trug ...


Die Tage werden kürzer


die Sonne ist schon dünn und mager
der Herbst schmeißt sich in die Klamotten
er tönt, er sei des Winters Schwager

der Sommer bebt, er glaubt es ihm
und verkriecht sich in die Ecken
versteckt dort schnell sein Tagesschön
und sagt, man sollt’ ihn erst im Frühjahr wecken

dem Bruder Herbst dem schwillt die Brust
vor Kraft kann er bald nicht mehr laufen
es sticht ihn sehr die Überlust
man hört ihn durch die Bäume schnaufen

kein Blatt läßt er an Zweig und Ast
er rüttelt an den Fensterläden
saust durch die Hecken voller Hast
zerstört der Spinnen Spinnenfäden

er will dem Winter sehr gefallen
indem er freie Bahn ihm schafft
für dessen scharfgeschliff’ne Krallen
an seiner kalten Winterkraft

doch irgendwann da merkt er dann
der Schwager ist ihm nicht gesonnen
enttäuscht zieht er die Nachthos’ an
und taucht in Winterschlafes Wonnen

ewaldeden

Bürgerreporter:in:

Ewald Eden aus Wilhelmshaven

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4 Kommentare

Bürgerreporter:in
Gabriele F.-Senger aus Langenhagen
am 21.11.2012 um 19:35

Wunderschöne Herbstpoesie, lieber Ewald, das leichte Augenzwinkern darin verfehlt seine Wirkung nicht und verpackt die Herbstmelancholie in ein Schmunzeln......Klasse!

Bürgerreporter:in
Gundu la aus Waghäusel
am 21.11.2012 um 22:04

Schönes Gedicht von Dir!

Bürgerreporter:in
Roswitha Bute aus Soltau
am 22.11.2012 um 19:59

Dieses Gedicht ist wieder so wunderbar anders .
Hautnah in die Jahreszeiten gegriffen , mit Melancholie durch die Natur gepfiffen ...
Ewald ..., ich bin begeistert .