Versunkene Zauberwelten
Winterlich, wenig verlockend zeigt sich die Welt um uns her: November - du Aschenputtel unter den Monaten des Jahreslaufs! Warum versteht keiner deine Schönheit?
Undankbar wendet sich mancher von dir ab: "Wie garstig grau! Brrrrr!"
Wo sind die Zauberwelten des Sommers? Wo die Farben des Frühlings? Wo treffe ich das herz- und sinnenfreuende Erleben wieder?
Erneut lese ich Gedichte, Gedichte eines berühmten Erzählers, eines Dichters, der gerade auch in seiner Lyrik wenig darauf achtet, ob das, was er erzählt, modisch, bequem, leichtverdaulich sei, einer, der einfach schrieb, wie es aus seiner Seele kam ... .
Verlorenheit
Nachtwandler, tast ich mich durch Wald und Schlucht,
Phantastisch um mich glüht ein Zauberkreis,
Nicht achtend, ob umworben, ob verflucht,
Folg ich getreu dem inneren Geheiß.
Wie oft hat mich die Wirklichkeit geweckt,
In der ihr lebt, und mich zu sich befohlen!
Ich stand in ihr ernüchtert und erschreckt
Und habe mich bald wieder fortgestohlen.
O warme Heimat, der ihr mich entzieht,
O Liebestraum, aus dem ihr mich gestört,
Zu dir zurück auf tausend Schlichen flieht
Mein Wesen, wie zum Meer das Wasser kehrt.
Mich leiten heimlich Quellen mit Gesang,
Traumvögel rühren glänzendes Gefieder;
Aufklingt aufs neue meiner Kindheit Klang,
Im Goldgeflecht, im süßen Bienensang
Find ich mich endlich bei der Mutter wieder.
Hermann Hesse.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Leitner aus Donauwörth |
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