Wahlmanipulation in Gersthofen...
Man nehme einen waschechten Preußen, eine bayerische Amtsstube nebst raunzigem Gemeindesekretär und einen urig gemütlichen Bürgermeister. Dazu noch räsonierendes „Weibervolk“, grantelnde Bauern und Handwerker und fertig ist der Stoff für eine „Bayerische Komödie“, den das Theater Gersthofen mit "D`Wahl-Lumpen" treffend umsetzte. Bürgermeister und übrige Männerwelt sind sich des Wahlsieges bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl sicher. Bis ein Preuße auftaucht und dieser als Kavalier alter Schule die Damenwelt für sich gewinnt. Er bietet dem siegessicheren Bürgermeister die Stirn und ein heftiger Wahlkampf entbrennt. Nach der Wahl wird von beiden Seiten mit List und Tücke versucht, das Ergebnis zu manipulieren – vergeblich.
Die ersten beiden Akte waren etwas „länglich“ obwohl der Amtsschimmel angesichts eines „Grenzsteinsberichtigungsvermessungsantrags“ laut wieherte. Das Bühnenbild zeigte mit viel Liebe zum Detail Warteraum, Vorzimmer und Amtszimmer der Gemeindekanzlei. Bürgermeister Irlacher (Peter Eder) verkörperte die bayerische Gemütlichkeit mit Zeitungslesen und Weißwurstessen. Gemeindesekretär Wimmerl (Mac Tanzer) riss sich auch keinen „Fuß raus“. Die Schar der wartenden Bürger wurde „abgearbeitet“, was zu deren Unwillen führte. Als der Preuße Stüder (Wolfgang Schwarzer) auftauchte, gewann das Stück an Fahrt. Die Wahlprogramme beider Parteien enthielten Punkte wie z. B Unterstützung des Bauernstandes, Schutz der landwirtschaftlichen Flächen usw. Wo hat der Pressemann das schon mal gehört? Ein netter Gag in der Pause: die weiblichen Akteure verteilten in ihren Bühnenkostümen Stimmzettel an die Besucher. Nach der Pause wurde dann gezeigt, wie eine Wahl gewonnen werden kann. Köstlich wie die Stüder-Fans, dargestellt von Lydia Braun, Julia Deiniger, Petra Salgado und Regina Stanglmeier, die Wahlurnen austauschten. Doch es half nichts. Das Stück endete mit der Erkenntnis: „Do wählt's und wählt`s und oll`s bleibt beim alten.“ Wie wahr...