Geschichten über Hüddingen (4)
Winterzeit – Schlachtezeit in den 1950igern.
Als Selbstversorger hatte man natürlich auch Schweine im Stall. Sie wurden grundsätzlich so „schlachtreif“ gefüttert, dass sie 2 x die Weihnachtsglocken gehört hatten!
Am Tag vor dem Ereignis wurden Brühtrog und „Schlachteleiter“ aus dem Dorf herangeholt. Früh am Morgen wurde Wasser im Kessel zum Kochen gebracht, so dass es losgehen konnte, wenn der „Hausschlachter“ kam. Das „Opfer“ wurde mit einem Seil am Hinterbein herausgeführt und irgendwo angebunden. Recht schnell vollzog sich die „Hinrichtung“ mit Bolzen-Schussapparat und Ausblutung. Nun kam „es“ in den Brühtrog, heißes Wasser wurde drüber gegossen um dann mit sogn. Schellen die Borsten aubzuschaben. Wenn alles sauber war, wurde das Schwein auf die Leiter gerollt und aufgehängt/an die Wand gestellt. Nach der Entfernung der Eingeweide war Kühlung und Fleischbeschauer angesagt. Um die Mittagszeit wurden die entleerten, bis dahin „eingeweichten“ Därme gründlich von Hand gereinigt, damit sie Wurstfüllung zur Aufbewahrung aufnehmen konnten. Dann wurde der Schlachtkörper zerlegt und wahlweise sortiert. Für die „rote Wurst“ musste der Fleischwolf (von Hand gedreht) Mett vorbereiten, das durch eine „Stopfmaschine“ (von Hand gedreht) in die Därme gepresst wurde. Die Würste kamen zum Weghängen auf eine Stange für den Räucherschrank. Alles was nicht für rote Wurst oder Braten geeignet war, wurde im Kessel gekocht und zu „Leberwurst“ gemacht.
Dann war es endlich soweit, das Schlachteessen war reif. Hiervon hatten natürlich auch die Kinder des Dorfs Kenntnis und nicht selten kam es vor, dass zu „Wurstemännchen“ verkleidete an der Haustür klopften und sich „Frisches“ durch kleine Gedichte „erkämpften“.
Am nächsten Tag wurde die „Wurstesuppe“ aus dem Kessel (mit Zugaben) von den Kindern zu den Nachbarn getragen.
Die Aufbewahrung/Einteilung der Produkte musste nun durch Einkochen, Pökeln und Räuchern gesichert werden.