Meinung: "Raus aus fossiler Energie und Kernkraft" - doch Obacht - vorschnelles Handeln ist waghalsig
Bei allen berechtigten Anforderungen an eine das Klima nicht Richtung Erderwärmung beeinflussenden Energiepolitik könnten Schnellschüsse, was den Ausstieg aus fossiler und Kernenergie betrifft, fatal für die künftige Energiesicherheit Deutschlands sein. Die aktuellen Probleme, ausgelöst durch das Drumherum des Ukrainekrieges, könnten sich womöglich nur als Vorgeschmack auf dunkle Zeiten erweisen, wenn die Energiepolitik es an Weitsicht mangeln lässt.
Wer nun angesichts dieser Vorbemerkungen ein Plädoyer gegen die Energiewende erwartet, auf den wird eine Enttäuschung warten. Dass der Klimawandel zumindest hauptsächlich auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückgeht, ist längst weltweiter Konsens, wenn man von einigen ausscherenden Exoten absieht. Die Verstärkung des natürlichen Treibhauseffekts durch von Menschen seit Beginn der Industrialisierung emittierte Treibhausgase, in vorderster Front CO2, führt zu Klimaveränderungen, die für die Menschheit lokal, regional und überregional erhebliche Verwerfungen befürchten lassen.
Welche für den Verbrauch angemessene Energieerzeugung bietet sich an? Natürlich die traditionelle Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas, aber auch die Kernkraft. Erstere sind für den Klimawandel verantwortlich, die Kernkraft nicht. Dafür hat diese die Radioaktivität als Damoklesschwert im Gepäck. Gegen beide, fossile Energie und Kernkraft, haben die Erneuerbaren Energien, allesamt basierend auf der Lichtenergie der Sonne, entscheidende Vorteile. Sie stellen zum einen keine Bedrohung für die Menschen dar und sind zum anderen quasi unerschöpflich für die Menschen. Außerdem hat sich die Umwandlung der Sonnenenergie zu Bedarfsenergie inzwischen als kostengünstig erwiesen. Also, sollte manch einer meinen, alles auf diese Karte setzen und weg mit Energien aus Kohle, Öl, Gas und Uran bzw. Kernkraft. Im Grunde logisch, zumal die technologische Entwicklung immer wieder Luft nach oben hat und die erfahrungsgemäß auch nutzt.
Nun sind unmittelbare Sonnenenergie und Windenergie allerdings natürlichen Schwankungen unterworfen, was Speichermöglichkeiten erforderlich macht. Eine ist sicherlich der klimaneutral erzeugte Wasserstoff. Zu bedenken bleibt aber, dass die Erneuerbaren Energien zurzeit in Deutschland nur etwa 20 Prozent des Primärenergieverbrauchs und etwas über 40 Prozent des Strombedarfs abdecken. Bei allen notwendigen Bemühungen, diese Anteile zu maximieren, dürfte Deutschland sich kaum in die Lage versetzen können, den gesamten Energiebedarf durch hiesige Erneuerbare Energien zu decken.
Man wird nicht nur mit anderen Regionen der Erde zusammenarbeiten müssen, wo mehr nutzbare Energie aus den Erneuerbaren Energien gewonnen werden kann, die man importiert, man dürfte in den kommenden Jahrzehnten, auch wenn die Energiewende optimal läuft, auf andere Energiequellen angewiesen sein, wenn für Energiesicherheit gesorgt sein soll. Deshalb darf man nicht vorschnell fossile Energien und/oder Kernenergie ganz über Bord werfen. Ich erinnere daran, dass momentan nur 20 Prozent des Primärenergieverbrauchs in Deutschland durch Erneuerbare Energien gedeckt wird. Ein Sockel an Verwertung fossiler Energieträger und/oder der Kernenergie dürfte weiterhin nötig sein. Sollte es irgendwann technologisch gelingen, die Kernfusion als realistische und damoklesschwertfreie Option zu entwickeln, könnten die Karten sogar ganz neu gemischt werden. Aber das ist Zukunftsmusik, die jetzt nicht hilft.
Ich bin der Ansicht, die Erneuerbaren Energien müssen jetzt massiv ausgebaut werden, Kooperationsverträge zu den Erneuerbaren Energien müssen hinzukommen und nur nach dem jeweiligen Stand sollte man sich von anderen Energien abwenden bzw. diese herunterfahren. Diese Abkehr muss in Abhängigkeit von dem Fortschreiten der Energieversorgung durch Erneuerbare Energien stehen. Und deshalb halte ich es für falsch, fossilen Energien und/oder Kernkraft zeitliche Ultimaten zu setzen. Außenministerin Baerbock hat einmal von dem Innovationsimpuls bzw. der Innovationskraft von Verboten gesprochen, die sie tatsächlich haben, allerdings nur in einem gewissen Rahmen. Die zeitlichen Ultimaten, zu denen Deutschland derzeit neigt, könnten gewaltig in die Hose gehen. Und das sage ich als jemand, der den Erneuerbaren Energien das Wort redet. Doch ohne Weitsicht und Antizipation von Entwicklungen kann eine im Grundsatz richtige Energiepolitik im Chaos enden.
Ergänzend:
1. Statt Steinkohle haben wir dann mit unserem Steuergeld die Wirtschaften anderer Länder subventioniert ( Target2 Überschuss 1,15 Billionen Euro, dieses Deutsche Steuergeld ist auf ewig weg)
2. Solange unsere Europäischen Nachbarstaaten an Atomkraft festhalten, ist es wirtschaftlicher Selbstmord unsere Atomkraftwerke zu schließen, wenn keine ausreichenden Alternativen für unsere energieverbrauchsintensive Industrie zur Verfügung steht.
In Zeiten wirtschaftlicher Instabilität, zusätzlich das Standbein Mittelstand, anzusägen, halte ich nicht nur für fahrlässig sondern für vorsätzliche Schwächung des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
Japan mit 50% mehr Einwohnern bei ca. gleicher Größe wie Deutschland, setzt trotz der Katastrophe in Fukushima auf Atomkraft.
Was sich unsere damalige Bundeskanzlerin dabei dachte, Atomkraft zu verteufeln, wird ebenso, wie ihr bauchgesteuerter Alleingang von 2015, ihr Geheimnis bleiben.
Ich war aus Gründen der Verletzbarkeit während eines Krieges, nie ein Freund der Atomkraft.
Bei den radioaktiven Halbwertzeiten, selbst eines abgeschalteten Atomkraftwerkes sollten unsere Politiker aber solange keine Energiealternativen vorhanden sind den Satz der Alt-Kanzlerin beherzigen:
"Nun sind sie halt da"